Skizze: Pergament mit EU-Sternen und ornamentaler Schlüssel als Symbol für AI Act Compliance
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Recht & KIMai 2026

EU AI Act ab August 2026: Was Coaches jetzt klären müssen.

Am 2. August 2026 ist der EU AI Act vollständig anwendbar. Acht Wochen ab heute. Wenn du AI-Tools in deiner Praxis nutzt, betrifft dich das. Hier ist, was du jetzt klären solltest.

Quick Answer in 3 Sätzen

Der EU AI Act ist ab 2. August 2026 vollständig anwendbar und gilt für jeden, der AI-Tools in der EU einsetzt, auch für Einzel-Coaches. Er ergänzt die DSGVO, ersetzt sie nicht. Was du konkret tun musst: AI-Tool-Inventar machen, Transparenz-Pflicht auf der Webseite umsetzen, Risiko-Kategorie deiner Anwendung prüfen, Dokumentation anlegen. Bußgelder gehen bis 35 Millionen Euro für Verstöße, aber realistisch sind erste Prüfungen 2027.

Was ist der EU AI Act eigentlich?

Der EU AI Act ist die erste umfassende KI-Regulierung der Welt. Er trat am 1. August 2024 in Kraft und wird in Stufen anwendbar:

  • Februar 2025: Verbote bestimmter AI-Praktiken (z.B. Social Scoring, manipulative KI)
  • August 2025: Pflichten für General Purpose AI (GPT-4, Claude, Gemini)
  • August 2026: Vollständige Anwendung für Hoch-Risiko-Systeme und alle anderen Bereiche

Der AI Act ist kein KI-Verbot. Er ist ein Risiko-basierter Rahmen: je höher das Risiko deiner AI-Anwendung, desto mehr Pflichten hast du. Bei minimal-riskanten Anwendungen (Spam-Filter, Grammatik-Check) hast du fast keine Pflichten. Bei Hoch-Risiko-Systemen (Bewerber-Screening, Kreditbewertung) hast du strenge Dokumentations-, Test- und Transparenz-Pflichten.

Wichtig: der AI Act ersetzt die DSGVO nicht. Beide gelten parallel. Eine zweite Reform-Welle 2026 betrifft auch das Cookie-Banner-Regime: was die DSGVO-Reform 2026 fuer dich bedeutet, habe ich separat aufgeschrieben.

Die 4 Risiko-Kategorien

Kategorie 1: Verbotene Praktiken

Bestimmte AI-Anwendungen sind seit Februar 2025 verboten: Social Scoring durch Behörden, manipulative AI gegen den Willen der Person, massenhafte Gesichtserkennung im öffentlichen Raum. Für Coaches: in der Regel nicht betroffen.

Kategorie 2: Hoch-Risiko-Systeme

AI-Systeme in kritischen Bereichen: Bewerber-Auswahl, Bonitätsprüfung, medizinische Diagnostik, Bildungsbewertung. Für Coaches: selten betroffen, außer du nutzt AI für formale Eignungs-Diagnostik.

Kategorie 3: Begrenztes Risiko (Transparenz-Pflicht)

AI-Systeme, die mit Menschen interagieren oder Inhalte generieren: Chatbots, AI-generierte Texte (Blog-Artikel mit ChatGPT), AI-generierte Bilder, Deepfakes. Das ist die wahrscheinliche Kategorie für dich. Wenn du ChatGPT für Blog-Texte, AI-Bilder für deine Webseite oder einen AI-Chatbot nutzt, hast du Transparenz-Pflichten.

Kategorie 4: Minimal-Risiko

Alle anderen Anwendungen (Spam-Filter, Grammatik-Check, Empfehlungssysteme). Viele alltägliche Tools fallen hier rein. Keine spezifischen AI-Act-Pflichten.

Was du in 8 Wochen konkret tun solltest.

Fünf Schritte. Realistisch in einem Nachmittag erledigbar.

01

AI-Tool-Inventar

Liste alle AI-Tools auf, die du nutzt: ChatGPT, Claude, Midjourney, KIE AI, Otter, Fathom, Calendly mit AI-Features. Pro Tool dokumentieren: Was tut es? Welche Daten gehen rein? Wo gespeichert?

02

Transparenz-Pflicht umsetzen

Wenn du AI-Texte oder AI-Bilder nutzt, kennzeichne das. Beispiel: Blog-Artikel-Ende „Erstellt mit Unterstützung von Claude, manuell überarbeitet“. AI-Bilder im Alt-Text als AI-generiert markieren. AI-Chatbots am Anfang als AI ausweisen.

03

Datenschutz-Erklärung prüfen

Wenn deine AI-Tools personenbezogene Daten verarbeiten, muss das in der Datenschutz-Erklärung stehen: Welche Tools, wo verarbeitet (EU/USA), Rechtsgrundlage, Speicherdauer.

04

Pflicht-Schulung dokumentieren

Wer AI nutzt, sollte AI-kompetent sein. Dokumentiere kurz, dass du dich mit den Grundlagen deiner Tools beschäftigt hast. Eine Notiz in den Geschäftsunterlagen reicht.

05

AI-Richtlinie anlegen

Wenn du jemals einen Audit hast: zeige deine AI-Politik. Eine einseitige interne AI-Richtlinie mit Tool-Liste, Transparenz-Maßnahmen und Verantwortlichkeiten reicht.

Was passiert, wenn du nichts tust?

  • Bußgelder theoretisch bis 35 Millionen Euro oder 7 Prozent vom Jahresumsatz.
  • Realistisch für Einzel-Coaches: erste Prüfungen ab 2027, vermutlich nach Beschwerden.
  • Höhere Wahrscheinlichkeit: Abmahnung durch Wettbewerbszentrale wegen fehlender AI-Kennzeichnung.

Mein eigenes Vorgehen: AI-Bilder im Sabala-Blog seit Februar 2026 gekennzeichnet, AI-Hinweis im Newsletter-Footer, AI-Stack intern dokumentiert. Aufwand: einmalig 2 Stunden plus 5 Minuten pro Veröffentlichung. Wer AI bewusst und verantwortungsvoll in der Praxis einsetzen will, schaut sich auch Custom GPTs als strukturiertes AI-System an. Strukturierte Custom GPTs sind transparenter als Default-ChatGPT-Sessions, was im AI-Act-Audit hilft.

Wie ich das bei Sabala-Kunden umsetze

In jedem aktuellen Sabala-Projekt baue ich beim Launch ein AI-Inventar in Notion: welche Tools nutzt der Kunde (ChatGPT, Claude, Midjourney, KIE AI), wo läuft was, welche Daten gehen rein, welche kommen raus. Plus ein AI-Hinweis im Footer der neuen Webseite, plus eine kurze AI-Richtlinie als interne Notion-Page. Das ist Compliance-by-Setup, nicht Compliance-als-Nacharbeit. Wenn 2027 ein Audit kommt, hat der Kunde alles griffbereit.

Konkretes Beispiel aus dem letzten Quartal: eine Coachin wollte ChatGPT für Klienten-Reflexionen vor Sessions einsetzen. In 30 Minuten haben wir geklärt: Kategorie 3 (Transparenz-Pflicht), nicht Hoch-Risiko. Lösung: kurzer Hinweis im Klienten-Onboarding („wir nutzen ChatGPT als Vorbereitung, deine Antworten werden nicht an OpenAI übermittelt") plus passender Datenschutz-Absatz. Aufwand: eine Stunde. Risiko gegen null.

Was bedeutet das für deine Webseite konkret?

Drei sichtbare Änderungen empfehle ich:

  1. AI-Hinweis im Footer oder Impressum: „Diese Webseite nutzt AI-Tools für Code-Generierung und Illustration. Texte sind menschlich verfasst und manuell überarbeitet.“
  2. Kennzeichnung pro Blog-Artikel: wenn AI-Unterstützung genutzt, kurze Notiz am Ende.
  3. Datenschutz-Erklärung erweitern: AI-Tool-Liste plus Verarbeitungs-Hinweise.

Drei Änderungen, einmaliger Aufwand etwa 1 Stunde, lebenslange Compliance.

Häufige Fragen

Was Coaches typischerweise fragen.

Muss ich auf meiner Webseite angeben, dass ich KI nutze?

+

Ja, für alle Inhalte, die mit AI generiert oder überarbeitet wurden, gilt eine Transparenz-Pflicht ab August 2026. Das gilt für Texte, Bilder und AI-Chatbots. Nicht für Werkzeuge, die du nur zur Recherche oder Editierung nutzt (z.B. Grammatik-Check).

Was ist ein Hoch-Risiko-KI-System?

+

AI-Systeme in kritischen Bereichen: Bewerber-Auswahl, Bonitätsprüfung, medizinische Diagnostik, Bildungsbewertung. Coaches sind in der Regel NICHT in dieser Kategorie. Wenn du AI für Persönlichkeits-Diagnostik mit formaler Auswertung nutzt, bist du im Graubereich.

Gilt der AI Act auch für ChatGPT-Nutzung in Coachings?

+

Wenn du ChatGPT als Werkzeug nutzt (z.B. für Brainstorming, Konzept-Entwicklung), bist du in Kategorie 4 (Minimal-Risiko). Wenn du AI-Coaching anbietest (z.B. ein Chatbot, der Klienten direkt coacht), bist du in Kategorie 3 (Transparenz-Pflicht) oder ggf. Hoch-Risiko, je nach Anwendung.

Was kostet ein Verstoß?

+

Theoretisch bis 35 Millionen Euro oder 7 Prozent vom Jahresumsatz. Realistisch für Einzel-Coaches: das größte Risiko sind Abmahnungen durch Wettbewerbszentralen wegen unzureichender AI-Kennzeichnung, typischerweise im niedrigen vierstelligen Bereich.

Gilt der AI Act auch außerhalb der EU?

+

Der AI Act gilt für alle AI-Systeme, die in der EU eingesetzt werden, unabhängig vom Sitz des Anbieters. Wenn du als deutscher Coach AI nutzt, gilt der AI Act für dich. Wenn du als nicht-EU-Coach Kunden in der EU bedienst, ebenfalls.

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Klarheit statt raten.

Wenn du AI in deiner Praxis nutzt und sicherstellen willst, dass deine Webseite, dein Marketing und deine Tools AI-Act-konform sind, sprechen wir am besten in einem Beratungsgespraech daruber. Compliance-Check ist Teil meiner technischen Begleitung. Wer AI-Workflows aufbauen will, schaut sich auch mein KI-Team an.

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